Tolino war zu Gast bei mir - ein Fazit

Wie lange habe ich mich dagegen gesträubt und gesagt, dass ich keine ebooks lesen möchte!? Nein, neben PC und Smartphone wollte ich nicht auch für das Lesen eine seelenlose Elektro-Kiste in den Händen halten. Ich war so romantisch zu sagen, dass ich das Gefühl eines Buches in den Händen brauche, blättern und nach dem Auslesen das Buch mit einem Seufzen darüber streicheln möchte, um mich von der Geschichte zu verabschieden. Natürlich bleibt die Romantik, ganz ohne Bücher, das ginge für mich gar nicht... Aber ich habe mir im Januar für ca. drei Wochen einen Tolino aus der Bücherei geholt, um mich einfach mal da reinzufuchsen und es auszuprobieren. 

Neugierig hat mich meine jüngste Schwester gemacht, die wie ich eine ganz große Leseratte ist. Auch sie hat früher immer gesagt, dass sie keinen Reader und keine ebooks lesen möchte, hat sich dann aber doch einen Tolino geholt und nutzt hauptsächlich die Onleihe der Bücherei. Genau das hat mich auch gereizt, Bücher über den Reader reservieren und lesen zu können, das (manchmal) lästige Abholen und Zurückbringen der Bücher entfällt. 

Gesagt getan, zum Ausprobieren habe ich mir ein Leih-Gerät aus der Bücherei geholt, das Buch Wenn du dich traust von Kira Gembri über bibload geladen und gelesen und war doch überrascht, sowohl positiv wie negativ. 

Das für mich Positivste war tatsächlich das Lesen an sich. Ich lese sehr häufig abends im Bett. Mein Mann beschwert sich schon lange nicht mehr über die brennende Nachttisch-Lampe, aber mich hat manchmal etwas der Schatten beim Lesen der rechten Seite gestört (meine Lampe steht links von mir). Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch schneller ermüde und mir die Augen zufallen, was mit der Hintergrundbeleuchtung des Tolinos weggefallen ist. Auch die vielen neuen Möglichkeiten der Lese-Positionen finde ich angenehm, der Reader ist leichter und kann mit einer Hand gehalten werden, was z.B. erlaubt richtig zu liegen und das Ding quasi über den Kopf zu halten - zumindest eine Zeit lang. ;o) Ich hatte generell auch das Gefühl, dass sich das Buch schneller liest, was ja eigentlich Quatsch ist, aber vielleicht liegt es doch daran, dass z.B. das Blättern weg fällt und ich das Teil einmal öfter in die Hand genommen habe. 

Ein bisschen enttäuscht hat mich die Auswahl in der Onleihe. Die ersten ca. fünf Bücher, die ich gesucht habe, gibt es dort gar nicht. Ich hab schon an mir gezweifelt und gedacht, dass ich bei der Suche etwas falsch mache, aber dem war nicht so. 

Nun überlege ich, ob ich mir einen Reader kaufen soll. Mein Geburtstag steht vor der Tür, ich wünsche mir sowieso nur Geld und habe auch noch ein bisschen hier liegen. Allerdings bin ich mir absolut noch nicht sicher, es gibt soviele "Abers". *seufz* Außerdem bin ich noch etwas am Schwanken, ob es ein Tolino oder ein Kindle werden soll. Eine Kollegin hat mir ihren Kindle mal mitgebracht und ich finde den viel besser als den Tolino, allerdings kann mit ihm nicht die Onleihe der Bücherei nutzen, wofür ich ihn ja eigentlich haben möchte. Dafür gibt es viele tolle Angebote bei amazon, wobei ich den Verein eigentlich gar nicht unterstützen will... Ach je...

Pro Contra
- komfortables Lesen abends im Bett
- dicke Bücher lassen sich einfacher lesen
- das Abholen und Wegbringen der Bücher aus der Büchere entfällt
- ich habe einen hohen SuB, der wenigstens z.T. weggelesen werden will
- viele von mir gesuchte Bücher gibt es in der Onleihe gar nicht
- die verschiedenen Formate nerven mich
- ich würde nie annähernd soviel Geld für ein ebook ausgeben wie für ein Buch, sondern nur ausleihen und Angebote für maximal 2 Euro nutzen
- Angst vor einem digitalen SuB
- mir fehlen die Seitenzahlen (der Tolino zeigt zwar welche an, aber die stimmen nicht mit dem Print-Buch überein)
- es hat mir noch nie etwas ausgemacht, dass manche Bücher nur als ebook erschienen sind. Ich war schon immer der Meinung, dass sie dann halt nicht für mich geschrieben worden sind. ;o)
- nach wie vor hasse ich es wie die Pest wenn ich davon höre, dass so viele illegal kopierte ebooks im Umlauf sind. Mir käme nie ein Buch auf den Reader, welches ich nicht entweder legal gekauft oder ausgeliehen habe. Wenn ich höre, dass da mal eben hunderte Bücher "verschoben" werden, sträuben sich bei mir die Nackenhaare, damit hatte ich schon immer ein Problem. Das habe ich mit Filmen nie gemacht und mit Musik auch nur minimal, was heute auch nicht mehr in Frage kommt. Autoren/Künstler usw. haben diesen Umgang mit ihren Werken einfach nicht verdient meiner Meinung nach. 

Wie Ihr seht überwiegen für mich noch die Nachteile. Klar, die Onleihe ist praktisch, aber so schlimm finde ich es auch nicht zur Bücherei zu gehen. Zum Einen bekomme ich dort eher die Bücher die ich suche und zum Anderen ist es sehr schön dort und ich stöbere gerne einfach mal durch die Regale, wobei ich immer wieder unverhofft auf etwas stoße, was ich gar nicht gesucht habe. Z.B. auf Koch- und Handarbeits-Bücher, Zeitschriften, DVDs oder Hörbücher, die ich mir eh für den Sport regelmäßig ausleihe. 

Ein weiteres Problem: Gedanklich tendiere ich doch etwas mehr zum Tolino, aber ich würde mir nur das neuste Modell kaufen wollen, den Vision 4 HD und der kostet mal eben 180 Euro. Leisten kann ich mir ihn, aber soviel Geld dafür, dass ich eigentlich hauptsächlich meinen bereits vorhandenen SuB bestehend aus Prints abbauen will? Ich weiß nicht...

Ich bin sehr wankelmütig, es kann durchaus sein, dass ich noch in diesem Monat Besitzerin eines ebook-Readers werde, auch wenn ich immer wieder Momente habe wo ich mir sage, dass ich ihn absolut (noch) nicht brauche und den Kauf bestimmt immer wieder überdenken und sogar bereuen würde. 

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